Hohe Staubbelastung und große Messdistanz als Herausforderung
Die Prozessbedingungen stellten hohe Anforderungen an die Messtechnik. Besonders kritisch waren die sehr schnellen und stoßartigen Befüllvorgänge, die starke Staubentwicklung während der Entladung sowie die große Messdistanz von rund 45 Metern. Zusätzlich befand sich die Anwendung in einem explosionsgefährdeten Bereich der ATEX Zone 20/21. Gerade bei der Entladung entstehen dichte Staubwolken, die viele Messsysteme an ihre Grenzen bringen können. Gleichzeitig ist eine zuverlässige Füllstandinformation für die sichere Prozessführung unverzichtbar, um Materialstaus, Überfüllungen oder Stillstände zu vermeiden.
Gemeinsam mit den UWT-Ingenieuren und dem lokalen Partner Morton Controls CC wurden die Prozessbedingungen detailliert analysiert. Das Medium Kohle mit einer Schüttdichte von rund 800 g/l sowie einem DK-Wert von 2,0 bis 3,0 musste unter stark staubigen Bedingungen und Temperaturen bis 80 °C zuverlässig gemessen werden. Auf Basis dieser Anforderungen fiel die Entscheidung auf eine berührungslose Radar-Füllstandmessung.
Radar-Füllstandmessung mit individueller Sensorkonfiguration
Zum Einsatz kam der UWT Radar-Füllstandsensor NivoRadar® NR 3300. Der Sensor wurde oberhalb des Betontrichters auf einer Querstrebe installiert und misst den Füllstand während des Entladevorgangs kontinuierlich.
Der sehr enge Abstrahlwinkel von nur 3° ermöglicht eine präzise Fokussierung des Messsignals auf die Materialoberfläche – selbst bei großen Messdistanzen und komplexen Einbausituationen. Zusätzliche Einbauten im Behälter, wie Metallgitter oder Konstruktionselemente, konnten mithilfe der UWT LevelApp gezielt ausgeblendet werden. Über die integrierte Störsignalausblendung werden feste Strukturen zuverlässig unterdrückt, sodass ausschließlich das relevante Echo der Schüttgutoberfläche ausgewertet wird.
Eine besondere Herausforderung war die extreme Staubentwicklung während der Waggonentladung. Dafür wurde eine speziell angepasste Lösung mit Staubrohr und kontinuierlicher Luftspülung der Linsenantenne umgesetzt. Der integrierte Druckluftanschluss verhindert Staubablagerungen auf der Antenne und sorgt dauerhaft für ein stabiles Radarsignal. Gleichzeitig reduziert das Staubrohr den direkten Staubeintrag in den Messbereich deutlich. So bleibt die Messung auch unter extremen Staubbedingungen zuverlässig verfügbar.
Berührungslose Messtechnik reduziert Wartungsaufwand
Im praktischen Betrieb bestätigte sich die hohe Zuverlässigkeit der Radar-Füllstandmessung. Auch bei schnellen Materialbewegungen und intensiver Staubentwicklung lieferte das System stabile und reproduzierbare Messwerte. Die berührungslose Messtechnik arbeitet verschleißfrei und ist unempfindlich gegenüber abrasiven Schüttgütern oder mechanischen Belastungen. Dadurch reduziert sich der Wartungsaufwand deutlich und gleichzeitig steigt die Anlagenverfügbarkeit – ein wichtiger Faktor für den kontinuierlichen Betrieb in der Schüttgutindustrie. Der verstellbare Flansch unterstützt zusätzlich die exakte Ausrichtung des Sensors und trägt dazu bei, Störechos zu minimieren und reproduzierbare Messergebnisse sicherzustellen.
Integration in moderne Automationssysteme
Die Radar-Füllstandsensoren lassen sich über 4…20 mA/HART oder Modbus RTU problemlos in bestehende Automations- und Steuerungssysteme integrieren. Die Messdaten dienen 8 dort als Grundlage für Materialflusssteuerung, Prozessüberwachung und Anlagenoptimierung. In Kombination mit Visualisierungslösungen wie NivoTec® können Füllstände in Echtzeit visualisiert, historisch gespeichert und per Fernzugriff überwacht werden. Damit wird die Füllstandmessung zu einem wichtigen Bestandteil moderner, datenbasierter Anlagenkonzepte in der Schüttgutindustrie.
Individuell angepasste Lösungen für komplexe Schüttgutprozesse