Leistungsstarke Mischtechnik für maximale Kapazitäten

Gips-Aufbereitung zur Produktion von Gipsplatten im Ringschicht-Mischverfahren

Aus der Schüttgut & Prozess 3/2026

Autoren: Martin Schmitz und Thomas Wegener (Gebrüder Lödige Maschinenbau GmbH)

Am Anfang der Produktionskette für Gipskarton und Gipsfaserplatten steht die spezifische Aufbereitung des Rohmaterials. Die entsprechende Trockenvermischung bzw. Befeuchtung des kalzinierten Gipses erfolgt in kontinuierlich arbeitenden Mischern. Im Vergleich zu anderen Mischverfahren bietet ein Ringschicht-Mischsystem dabei charakteristische Vorteile.

Lödige Ringschichtmischer als vollständige Anlage mit zylindrischem Edelstahlgehäuse, Aufgabetrichter, grünem Schaltschrank und seitlicher Hydraulikstation auf gemeinsamem Grundrahmen
Ringschicht-Mischer CoriMix® Typ CM 2500, ausgeführt für den Betrieb in explosionsgefährdeten Bereichen

Gipskarton- und Gipsfaserplatten kommen milliardenfach im Innenausbau zum Einsatz: Ein aktueller Marktreport [1] schätzte das weltweite Produktionsvolumen für das Jahr 2025 auf etwa 16,89 Milliarden Quadratmeter. Bis 2030 soll diese Zahl sogar noch weiter auf 22,76 Milliarden Quadratmeter ansteigen. Die Hersteller entsprechender Baustoffe stehen damit vor der Herausforderung, sehr große Mengen in der geforderten Qualität und gleichzeitig zu einem international marktfähigen Preis herzustellen.

Der Gipskern einer Platte trägt dabei ganz wesentlich dazu bei, dass Gipskarton- und Gipsfaserplatten ihre spezifischen Funktionen im Trockenund Akustikbau optimal erfüllen können: Als Herzstück der Konstruktion bestimmt er Produkteigenschaften wie zum Beispiel Flexibilität, Stabilität oder auch Feuerbeständigkeit.

Aufbereitungsverfahren

Damit der spätere Gipskern diesen Aufgaben gewachsen ist, muss das Rohmaterial – vermahlener und kalzinierter Gipsstein (Calciumsulfat-Dihydrat, CaSO4·2H2O) – gemäß den jeweiligen Spezifikationen aufbereitet werden. Das Ergebnis dieses Prozesses ist eine „Slurry“ genannte Mischung, die im weiteren Produktionsprozess dann zur fertigen Platte weiterverarbeitet wird.

Vor der Herstellung des Slurrys können zwei unterstützende Verfahren zum Einsatz kommen: eine Trockenvermischung oder eine Befeuchtung. Bei der Trockenvermischung wird der Gips mit pulverigen Zusatzstoffen und Fasern vermischt, um zum Beispiel die mechanischen Eigenschaften und die Stabilität der Platte zu optimieren. Auch die Feuerbeständigkeit lässt sich über entsprechende Beimischungen verbessern. Bei der Befeuchtung werden hingegen Wasser bzw. andere flüssige Additive in das Rohmaterial eingearbeitet. Dies kann zu einem reduzierten Wasserverbrauch und geringeren Trocknungskosten bei der Plattenherstellung führen.

Für beide Anwendungen kommen Industriemischer zum Einsatz, die wegen der typischerweise hohen Durchsätze in der Gipsplatten-Herstellung kontinuierlich arbeiten. Material- und anwendungsspezifisch ausgeführt, ermöglichen sie eine hochpräzise Einbringung der Additive sowie einen sehr homogenen Faseraufschluss bzw. eine homogene Befeuchtung aller Gipskristalle für eine gleichmäßige Reaktion. Die Flüssigkeitszugabe kann dabei von innen über die Welle oder von außen erfolgen. Sollen beide Anwendungen im Prozess kombiniert werden, empfiehlt sich der Einsatz von zwei hintereinandergeschalteten Maschinen.

Ringschicht-Verfahren

Ein Mischverfahren, das bei der Aufbereitung von Gipsmassen eine ausgezeichnete Verteilung von Zusatzstoffen bei großen Durchsatzleistungen und hoher Homogenität zeigt, ist das Ringschicht-Verfahren. Im Unterschied zu anderen Mischertypen rotiert das Mischwerk eines Ringschicht-Systems mit hohen Umfangsgeschwindigkeiten des Mischwerkzeugs von bis zu 40 m/s. Dadurch werden die zugeführten Produktkomponenten zentrifugal beschleunigt. Das Ergebnis ist die Ausbildung einer Ringschicht. Innerhalb dieser konzentrischen Schicht herrschen enorme Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den schnell rotierenden Mischwerkzeugen und der ruhenden Behälterwand. Die Konsequenz: Im Profil der Ringschicht herrscht eine besonders starke Friktion.

Schematische Darstellung des Ringschichtmischer-Prinzips von Lödige: Längsschnitt mit Materialfluss (Einlauf oben, Auslauf unten) sowie zwei Querschnitte zeigen die ringförmige Materialverteilung um die Mischwelle
Schematische Darstellung: Arbeitsprinzip eines Ringschicht-Mischers

Hieraus ergeben sich speziell bei dieser prozesstechnischen Aufgabe charakteristische Vorteile gegenüber herkömmlichen, kontinuierlich arbeitenden Einwellenmischern. Dort erfolgt die Mischung in einem Wirbelbett, das prozessbedingt weniger Friktion erzeugt als die Ringschicht.

Als weiterer Vorteil ermöglicht das Ringschicht-Verfahren kürzere Durchlaufzeiten. Denn die anwendungsspezifisch geformten Werkzeuge des Mischwerks bewegen das Produkt im Prozessverlauf ähnlich einer Pfropfenströmung durch den Mischraum. Weil dieser Vorgang enorm schnell erfolgt, sind die Verweildauern sehr klein. Bei der Aufbereitung von Gipsmassen liegen sie bei nur ca. 15 bis 20 Sekunden, bei anderen Anwendungen sogar noch darunter. Nicht zuletzt lassen sich somit selbst große Durchsätze mit kleinen Maschinen realisieren. Somit weist der Einsatz von Ringschicht-Mischern verschiedene verfahrenstechnische Vorteile auf, ist jedoch aber auch vor allem vorteilhaft in Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Vielseitigkeit.

 

Lödige Kompaktmischer in Edelstahlausführung mit aufgesetztem Vorratsbehälter und seitlichem Austragsrotor auf Stahlrahmen – Freisteller vor weißem Hintergrund
Ringschicht-Mischer CoriMix® Typ CM 5 Laborversion mit Feststoffdosierung

CoriMix Typ CM von Lödige Maschinenbau

Diese Vorteile greift der seit Jahren bewährte Ringschicht-Mischer Cori-Mix Typ CM von Lödige Maschinenbau auf: geringer Platzbedarf, einfache Handhabung und Wartungsfreundlichkeit, gute Reinigungsmöglichkeit sowie Langlebigkeit.

Ein temperierbarer Doppelmantel ermöglicht eine feine Abstimmung der Prozessparameter und sorgt auch bei entsprechender Reibungsenergie für konstante Bedingungen. Der Mischbehälter ist mittig über die gesamte Länge geteilt und kann aufgeklappt werden. So lässt sich das Mischsystem komfortabel reinigen, problemlos warten und bei Bedarf einfach an neue Anforderungen anpassen, was eine hohe Betriebssicherheit und eine lange Lebensdauer bedeutet. Selbstverständlich können alle Werkzeuge und der Mischbehälter in verschiedenen Materialien und bei Bedarf mit zusätzlichem Verschleißschutz ausgeführt werden, um einem möglichen Verschleiß entgegenzuwirken.

Jeder CoriMix Typ CM wird kunden bzw. aufgabenindividuell konzipiert und gefertigt. Verfügbar sind die Maschinen mit Trommelinhalten von 5 bis 3000 Liter – also von einer Laborgröße für die Produktentwicklung bis hin zum großindustriellen Einsatz. Bei der Gips-Aufbereitung zur Produktion von Gipsplatten liegen die Durchsätze üblicherweise bei ca. 10 bis 120 t/h. Ein durchschnittlicher Befeuchtungsprozess von rund 30 t/h Maschinenkapazität lässt sich – abhängig vom Produkt und anderen Prozessparametern – mit 500 Liter Trommelvolumen realisieren.

Das System bietet zudem die Möglichkeit, den Mischraum in Zonen unterschiedlicher Scherintensität zu unterteilen. Eine optimale Anpassung an die variierenden Produkteigenschaften wird somit ermöglicht. Flüssige Bestandteile werden direkt in die Ringschicht eingeleitet – dies sichert eine homogene Verteilung der Flüssigkeit im Produkt. Eine unerwünschte Benetzung der Mischwelle und der Mischerwand wird vermieden. Mit weiteren Konstruktionsdetails erfüllt die Maschine nicht zuletzt auch alle aktuellen Anforderungen in Bezug auf eine ATEX-konforme Konstruktion – etwa durch eine Temperaturüberwachung an der Abdichtung und dem Lager sowie durch einen Potenzialausgleich.

Lödige Pflugscharmischer CM 80 U mit geöffnetem Gehäusedeckel – Blick auf die Mischwerkzeuge im Edelstahlmischraum mit Antriebseinheit und Lagerböcken in Gelb-Türkis-Ausführung
Ringschicht-Mischer CoriMix® Typ CM 80 mit Flüssigkeitszugabe durch das Mischwerk in die Ringschicht

Fazit

Die effiziente Aufbereitung von Gipsmassen gewinnt angesichts steigender Produktionsvolumen weiter an Bedeutung. Ringschicht-Mischer wie der CoriMix Typ CM von Lödige Maschinenbau bieten hierfür überzeugende Vorteile in Homogenität, Durchsatz und Wirtschaftlichkeit. Mit ihrer hohen Flexibilität und Prozesspräzision ermöglichen sie zuverlässige Produktqualität selbst bei anspruchsvollen Rezepturen. Künftig wird ihre Bedeutung weiterwachsen – insbesondere durch steigende Anforderungen an effiziente und ressourcenschonende Produktionsprozesse.

Quelle: [1] Mordor Intelligence: „Gypsum Board Market“ [https://www.mordorintelligence. com/industry-reports/gypsum- board-market?utm_source=openpr] – abgerufen am 20.11.2025

Über LÖDIGE

LÖDIGE ist global führender Anbieter von Mischern, Coatern, Granulatoren, Trocknern und Reaktoren. Als Erfinder des Pflugscharmischers bietet LÖDIGE jahrzehntelange Erfahrung in der Verfahrenstechnik. So sind die Maschinen und Teilsysteme genauso in der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie wie auch in den Branchen Baustoffe, Umwelt, Mineralien und Erze sowie Chemie und Kunststoffe zuhause. Industrielles Mischen, Trocknen, Reagieren, Coaten und Granulieren sind das Business von LÖDIGE. Im Technikum können alle Prozessschritte vom Mischen über Trocknen, Reagieren, Coaten und Granulieren durchgeführt werden. LÖDIGE betreut seine weltweiten Kunden auch während der gesamten Lebenszeit der Maschinen. Durch ein sehr erfahrenes Team in Paderborn, sowie durch die Kollegen in den USA, Spanien, Indien und China können auftretende Wartungsarbeiten schnell durchgeführt werden. Weltweit hat LÖDIGE in den letzten 85 Jahren mehr als 35.000 Maschinen geliefert. Noch heute ist das Unternehmen im Familienbesitz und dies jetzt in der 3. Generation. Am Standort Paderborn arbeiten knapp 300 Mitarbeiter.

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