Fachwissen, Tagebautechnik und gelebtes Networking

Aus der Schüttgut & Prozess 3/2026

Mit knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern fand die jüngste Veranstaltung des Deutschen Schüttgut-Industrie Verbandes (DSIV) in der Lausitz statt – einer Region, die wie kaum eine andere für Rohstoffgewinnung, Fördertechnik und industrielle Wertschöpfung steht. Gastgeber war das DSIV-Gründungsmitglied KREISEL Industries GmbH in Krauschwitz. Ergänzt wurde das Fachprogramm durch einen Besuch des Tagebaus Nochten der LEAG sowie ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm.

Schaufelradbagger im Braunkohletagebau mit Besuchergruppe auf der Abbaufläche

Auftakt zwischen Weinberg und Geopark

Bereits am Vorabend trafen sich die Teilnehmer im Weingut „Marbachs Wolfshügel“ in Jerischke. Der sechs Hektar große Weinberg liegt im UN-ESCO Global Geopark Muskauer Faltenbogen und wurde 2008 von Hubert Marbach wiederbelebt, nachdem dort seit 1890 kein Wein mehr gekeltert worden war.

Bei bestem Sommerwetter boten Weinprobe, fundiert moderiert durch Hubert Marbach und Abendimbiss den idealen Rahmen für erste Gespräche und intensives Networking. Für viele Teilnehmer war dies der gelungene Auftakt einer Veranstaltung, die ganz im Zeichen des fachlichen Austauschs und persönlicher Begegnungen stand.

Fachprogramm bei KREISEL Industries

Am zweiten Veranstaltungstag begrüßte KREISEL Industries die Gäste am Unternehmenssitz. Das international tätige Unternehmen zählt zu den Spezialisten für Schüttguthandling und realisiert maßgeschneiderte Förder-, Dosier- und Entstaubungsanlagen für unterschiedlichste Industrien. Den Auftakt des Vortragsprogramms machte Carsten Mevius mit einem Beitrag über Verschleißschutz und die Weiterentwicklung großer Zell radschleusen in der Zementindustrie.

Im Fokus standen Zellradschleusen für Vertikalrollenmühlen, die neben der Materialförderung auch den erforderlichen Luftabschluss zwischen Atmosphäre und Mühlenunterdruck gewährleisten müssen. Angesichts von Jahresdurchsätzen von teilweise mehr als einer Million Tonnen Material sind robuste Konstruktionen und wirksame Verschleißschutzmaßnahmen entscheidend für die Anlagenverfügbarkeit.

Anschließend referierte Thomas Döring, Geschäftsführer der N+Z GmbH, über Fördergurttechnologie in der industriellen Instandhaltung. Er erläuterte die Bedeutung moderner Fördergurtsysteme für die Betriebssicherheit industrieller Anlagen und zeigte auf, wie sich ein Unternehmen aus der Braunkohleindustrie erfolgreich zu einem breit aufgestellten Instandhaltungsdienstleister entwickelt hat. Heute betreut die Unternehmensgruppe Anlagen in zahlreichen Branchen, darunter auch der Windenergie.

Fachvortrag zur Fördertechnik und pneumatischen Schüttgutförderung bei KREISEL Industries in Krauschwitz
Fachvorträge zur Fördertechnik standen auf dem Programm
Networking-Veranstaltung im Weingut Marbachs Wolfshügel mit Teilnehmern des DSIV-Treffens in der Lausitz
Gelungener Einstieg in das Networking auf dem Weingut Marbach

Im dritten Fachvortrag stellte Gerald Kreisel das Engineering pneumatischer Schüttgutförderanlagen vor.Die von der DF Engineering GmbH entwickelten Lösungen umfassen die komplette Planung und Verfahrenstechnische Auslegung pneumatischer
Fördersysteme bis hin zur Inbetriebnahme. Der Schwerpunkt liegt dabei auf ganzheitlichen Anlagenkonzepten, die Schnittstellen reduzieren und den Projektaufwand für den Betreiber minimieren.

Abgerundet wurde der Vormittag durch einen Rundgang durch die Fertigung von KREISEL Industries, bei dem die Teilnehmer Einblicke in die Produktion und Montage erhielten.

Eindrucksvolle Technik im Tagebau Nochten

Nach dem Mittagessen führte die Veranstaltung in den nahegelegenen Tagebau Nochten der LEAG. Seit rund 50 Jahren wird hier Braunkohle gefördert. Der Tagebau versorgt heute vor allem das Kraftwerk Boxberg sowie die Brikettfabrik Schwarze Pumpe. Beeindruckend waren die Dimensionen der Gewinnungstechnik: Für einen Kubikmeter Kohle müssen etwa sieben Kubikmeter Abraum bewegt werden. Schaufelrad- und Eimerkettenbagger, Förderbrücken sowie kilometerlange Bandanlagen prägen das Bild des aktiven Tagebaus. Die Teilnehmer erhielten einen direkten Einblick in die großtechnische Rohstoffgewinnung und konnten zahlreiche Themen aus den Fachvorträgen unmittelbar in der Praxis wiederfinden.

 

Teilnehmergruppe des DSIV vor dem Besuch des Tagebaus Nochten auf dem Betriebsgelände der LEAG
Die Teilnehmer auf dem Weg in den Tagebau

Ausklang im Fürst-Pückler-Park

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein gemeinsamer Grillabend im Grünen Salon des UNESCO-Welterbes Muskauer Park. In der einzigartigen Atmosphäre des von Fürst Pückler gestalteten Landschaftsparks ließen die Teilnehmer den Tag bei regionalen Spezialitäten, gegrilltem Fisch, Fleisch und Gemüse sowie lokalen Getränken ausklingen. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie fachlicher Austausch, industrielle Praxis und persönliches Networking im DSIV miteinander verbunden werden. Die Kombination aus Unternehmensbesuch, Fachvorträgen, Tagebaubesichtigung und geselligem Rahmenprogramm machte den Besuch in der Lausitz zu einem ebenso informativen wie eindrucksvollen Erlebnis.

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