Priorisieren statt Alarmflut
Für die betriebliche Praxis ist entscheidend, dass zusätzliche Sensorik nicht zu einer zusätzlichen Flut von Meldungen führt.
ASKIRA verdichtet die erfassten Informationen deshalb zu nachvollziehbaren Risiko-Scores beziehungsweise Zustandsindizes. Anlagen und Komponenten lassen sich in einer Risikokarte übersichtlich darstellen. So wird erkennbar, wo aktuell die größten Risiken bestehen und welche Maßnahmen zuerst erforderlich sind. Die Instandhaltung erhält damit nicht nur die Information, dass sich ein Messwert verändert hat. Sie erkennt, wo ein Risiko entsteht, welche Komponente betroffen ist und wo Handlungsbedarf besteht.
Das Ziel ist eine konkrete Entscheidungshilfe für den Arbeitsalltag: Welche Komponente sollte kontrolliert werden? Welche Entwicklung sollte weiter beobachtet werden? Welche Maßnahme sollte für das nächste Wartungsfenster vorgesehen werden?
Aus Zustandsdaten entstehen damit klare Prioritäten und ein Maßnahmenplan.
Fördertechnik als Ausgangspunkt
ASKIRA wurde zunächst speziell für die Anforderungen der Förder- und Schüttguttechnik entwickelt. Dazu gehören beispielsweise Becherwerke, Schneckenförderer, Trogkettenförderer und Förderbänder sowie deren Antriebe und Lagerungen.
Der Hintergrund ist bewusst praxisnah: Gerade Förderanlagen sind häufig zentrale Verbindungen innerhalb eines Produktionsprozesses. Fällt eine Förderstrecke aus, können vor- oder nach6 gelagerte Prozessschritte ebenfalls zum Stillstand kommen.
Gleichzeitig befinden sich in vielen Betrieben Förderanlagen, die bereits seit Jahren zuverlässig arbeiten und nicht vollständig digitalisiert sind. Zustandsüberwachung muss deshalb auch für Bestandsanlagen praktikabel sein.
Durch den modularen Aufbau kann die Sensorik abhängig von Anlage und Aufgabenstellung nachgerüstet werden. Damit lässt sich Predictive Maintenance schrittweise einführen, ohne eine bestehende Förderanlage ersetzen zu müssen.
Wartung gezielter planen
Der wirtschaftliche Nutzen entsteht nicht durch die Menge der gesammelten Daten, sondern durch bessere Wartungsentscheidungen.
Wer eine kritische Entwicklung früh erkennt, kann Personal, Ersatzteile und Wartungsfenster gezielter planen. Bauteile müssen weder vorsorglich deutlich zu früh ausgetauscht noch bis zum Folgeschaden betrieben werden.
Zustandsbasierte Instandhaltung kann damit dazu beitragen, ungeplante Stillstände zu reduzieren, die Verfügbarkeit zu erhöhen und Instandhaltungsteams zu entlasten. Gleichzeitig entsteht mehr Planungssicherheit für Produktion und Betrieb.
Predictive Maintenance bedeutet dabei ausdrücklich nicht, jeden zukünftigen Defekt exakt vorherzusagen. Es geht vielmehr darum, messbare Veränderungen rechtzeitig zu erkennen und daraus nachvollziehbare Entscheidungen abzuleiten.
Über die Fördertechnik hinaus
Die Fördertechnik bildet für ASKIRA den Ausgangspunkt, nicht jedoch zwangsläufig die Grenze.
Das zugrunde liegende Prinzip lässt sich grundsätzlich auch auf weitere Produktionsanlagen übertragen. Voraussetzung ist, dass kritische Komponenten Zustandsgrößen besitzen, deren Veränderungen als Frühindikatoren erfasst und bewertet werden können.
Damit kann aus einem Frühwarnsystem für Förderanlagen perspektivisch eine übergreifende Zustandsüberwachung für unterschiedliche Produktionsbereiche entstehen. Maschinen und Aggregate lassen sich schrittweise in eine gemeinsame Risikobetrachtung integrieren.
Für die Instandhaltung rückt damit eine zentrale Frage in den Fokus: Wo besteht aktuell der größte Handlungsbedarf?
Die Antwort liefern nicht mehr Bauchgefühl oder die lauteste Alarmmeldung, sondern Zustandsdaten, Trendverläufe und nachvollziehbare Prioritäten.
Fazit
ASKIRA ist ein datenbasiertes Frühwarnsystem für Förderanlagen. Zustandsdaten wie Vibration, TemperaAusgabe 5/2026 tur, Drehzahl oder Stromaufnahme werden erfasst, zentral ausgewertet und zu Risiko-Scores, Trendverläufen und Handlungsempfehlungen verdichtet. Das System ist modular aufgebaut und sowohl für bestehende als auch für neue Förderanlagen einsetzbar.
Über Anlagenbau Stampfer
Die Anlagenbau Stampfer GmbH in Haan ist ein inhabergeführtes Familienunternehmen in dritter Generation. Sie entwickelt und fertigt individuelle mechanische und pneumatische Förderanlagen, auch für abrasive, korrosive oder staubexplosive Schüttgüter. Das Leistungsspektrum reicht von der Planung über Fertigung und Montage bis zur Inbetriebnahme sowie Wartung, Modernisierung und vorausschauenden Instandhaltung.
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