Ökodesign als Hebel für nachhaltige Wertschöpfung

Materialeinsparungen, effizientere Elektronik, geringerer Energieverbrauch sowie emissionsreduzierte Werkstoffe verbinden sich zu ökologischen und wirtschaftlichen Vorteilen

Aus der Schüttgut & Prozess 2/2026

Autorinnen: Christine Böhringer und Kristina Rodriguez

Warum sollte eine Ökodesign-Richtlinie in einem Unternehmen verankert sein? Damit implementiert man den Gedanken der Nachhaltigkeit noch tiefer im Innovationsprozess und verbindet ökologische Verantwortung mit wirtschaftlicher Weitsicht. So fließen Umweltaspekte frühzeitig in die Entwicklung neuer Produkte und das Redesign bestehender Gerätetypen ein. Das Ziel: die Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu minimieren und gleichzeitig Kunden Mehrwerte zu bieten etwa durch eine ressourcenschonende Konstruktion, energieeffizientere Komponenten und emissionsreduzierte Werkstoffe.

 

Spektrometer
Ecodesign: PlasmaQuant 9200 Serie: ICP OES Spektrometer zur hochauflösenden Elementanalyse mit kompakter Bauform und schneller Einsatzbereitschaft

Als familiengeführtes Unternehmen verankert Endress+Hauser Nachhaltigkeit fest in seiner Unternehmensstrategie und verfolgt konsequent das Ziel, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Die größte Herausforderung steckt dabei in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten. Im sogenannten Scope 3 fallen die meisten Treibhausgasemissionen der Unternehmensgruppe an. „Da wir viel Stahl und Aluminium in unseren Geräten verbauen, gehen mehr als ein Drittel unseres Umweltfußabdrucks auf die Beschaffungsseite zurück. Und etwa die Hälfte ist der Nutzungsphase unserer langlebigen Geräte bei den Kunden geschuldet hier spielt unter anderem der Energiebedarf im Betrieb eine Rolle“, erklärt Hans Joachim Fröhlich, Director Technology & Portfolio bei Endress+Hauser. Gemeinsam mit den verschiedenen Product Centern der Unternehmensgruppe ist er deshalb dabei, das Portfolio von Endress+Hauser zu dekarbonisieren.

Ökodesign als strategischer Innovationsmotor

Um die Dekarbonisierung systematisch in den Innovationsprozess von Produkten zu integrieren, rollt Endress+Hauser gruppenweit eine neue Ökodesign-Richtlinie aus. Mehr als 1.300 Mitarbeitende aus Forschung und Entwicklung werden künftig damit arbeiten. Die Vorgabe definiert ökologische Prinzipien und bietet den Teams zugleich ausreichend Freiraum für kreative Lösungen. Für Endress+Hauser geht Ökodesign dabei weit über klassischen Umweltschutz hinaus: Die Richtlinie soll ökologische und wirtschaftliche Vorteile verbinden. Dazu gehören unter anderem Materialeinsparungen, effizientere Elektronik, geringerer Energieverbrauch sowie emissionsreduzierte Werkstoffe.

Zwei Mitarbeiter in einem Labor während einer Sensortechnischen Prüfung
Endress+Hauser reichte im vergangenen Jahr 294 Patente ein, 281,4 Millionen Euro flossen in Forschung und Entwicklung

„Wir überarbeiten dafür nach und nach unser Produktangebot. Neue Gerätegenerationen sollen nicht nur nachhaltiger werden, sondern unseren Kunden auch einen klaren Mehrwert bieten etwa durch verbesserte Leistung zu einem fairen Preis oder durch gleiche Leistung zu gleichen oder niedrigeren Kosten“, sagt Hans Joachim Fröhlich. So entsteht Schritt für Schritt ein nachhaltigeres Portfolio, das zugleich die Wirtschaftlichkeit für die Kunden erhöht.

Entwicklungszeiten verkürzen

Softwaretools sollen den Entwicklerteams helfen, die Umweltauswirkungen ihrer Ideen zu bewerten, zum Beispiel zu erkennen, mit welchem Energiemix verwendete Materialien hergestellt werden. Wichtiger werden auch Technologien, mit denen sich Designvarianten virtuell testen und optimieren lassen, bevor der erste Prototyp überhaupt gebaut wird. „Wir sind bereits heute führend in der Branche bei der Simulation von Bauteilen aus neuen umweltfreundlichen Werkstoffen“, sagt Fröhlich. Darüber hinaus können die Teams mit Computersimulation die Leistungsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit neuer Komponenten, Baugruppen und ganzer Messinstrumente innerhalb kurzer Zeit beurteilen.

Auch Analytik Jena, ein Tochterunternehmen von Endress+Hauser, zeigt mit der PlasmaQuant 9200 Serie, wie moderne Laborgeräte zugleich kompakter, effizienter und nachhaltiger werden können. Der PlasmaQuant 9200 ist ein hochpräzises, platzsparendes und energieeffizientes Elementanalysesystem, das Laboren schnelle, verlässliche und kosteneffiziente Messungen ermöglicht. Zum Einsatz kommt das System unter anderem bei der Bestimmung von Elementgehalten und Verunreinigungen in metallurgischen Proben, in Feinchemikalien sowie bei der Analyse von Schwermetallkonzentrationen in Abwässern. Im Vergleich zum Vorgängermodell benötigt der PlasmaQuant 9200 über 40 Prozent weniger Stellfläche, senkt den Argonverbrauch um bis zu 35 Prozent und den Energieverbrauch um bis zu 45 Prozent. Trotz der schlankeren Bauweise liefert das Gerät hochpräzise Ergebnisse und startet schnell, was den Arbeitsalltag messbar erleichtert. Insgesamt führt das überarbeitete Design zu jährlichen Einsparungen von rund 311 Tonnen CO2.

Modulares Durchflussmessgerät
Ecodesign: Proline 10 mit IO-Link: Modulares Durchflussmessgerät mit IO-Link-Schnittstelle für einfache Inbetriebnahme, transparente Diagnosen und effizienten Anlagenbetrieb

Die Proline 10 Durchflussmessgeräte mit IO-Link zeigen ebenfalls deutlich, dass Ökodesign nicht beim Materialeinsatz endet, sondern den gesamten Lebenszyklus einer Messstelle berücksichtigt. Grundlage ist ein modulares Gerätekonzept, das mit nur einem zusätzlichen Elektronikmodul auskommt, alle weiteren Komponenten werden aus der bestehenden Proline 10 Plattform übernommen. Dadurch lassen sich über den Produktlebenszyklus hinweg rund 1,8 Tonnen Material einsparen und etwa 4 Tonnen kritischer Elektronikabfall vermeiden. Energieeffiziente elektronische Baugruppen senken zudem den Strombedarf deutlich und führen zu jährlichen Energieeinsparungen von mehr als 64 MWh. Über digitale Schnittstellen wie IO-Link und Ethernet liefern die Geräte zusätzliche Mess- und Diagnosedaten, die eine gezielte Prozessoptimierung, zustandsorientierte Wartung und vorausschauende Instandhaltungsstrategien ermöglichen. Das erhöht die Anlagenverfügbarkeit, reduziert ungeplante Stillstände und unterstützt eine bedarfsgerechte Nutzung von Energie und Rohstoffen. So leistet Proline 10 mit IO-Link einen messbaren Beitrag zu einem effizienten und nachhaltigen Asset und Anlagenmanagement.

Gemeinsam zum Ziel

Für Hans Joachim Fröhlich ist klar, dass Endress+Hauser den Weg zur Netto-Null nur im Schulterschluss mit Lieferanten bewältigen kann, die selbst auf nachhaltige Wertschöpfungsketten setzen und ihre Prozesse optimieren. Viele Partner verfügen bereits über emissionsreduzierte Lieferketten und fortschrittliche Fertigungsprozesse, was die Entwicklung klimafreundlicher Produkte zusätzlich beschleunigt. Entsprechend einer Verpflichtung zu Science-based Targets (SBTI) will Endress+Hauser die Emissionen in den vor- und nachgelagerten Wertschöpfungsketten bereits bis 2034 um 35 Prozent verringern.

Sandra Genge von Endress und Hauser
Sandra Genge, eine Enkelin des Firmengründers, ist neue stelvertretende Vorsitzende des Familienrats, des wichtigsten Bindeglieds zwischen Gesellschafterfamilie und Familienunternehmen
Hans Joachim Fröhlich
Hans Joachim Fröhlich treibt die Dekarbonisierung es Endress+Hauser-Portolios voran

Als familiengeführtes Unternehmen denkt Endress+Hauser nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Der Anspruch ist es, nachhaltigen Erfolg zu schaffen, nicht kurzfristige Gewinne zu maximieren. Nachhaltigkeit ist dabei keine Option, sondern eine Verpflichtung, denn sie ist die Grundlage dafür, dass unser Planet auch für nachfolgende Generationen lebenswert bleibt. Endress+Hauser sieht sich in der Verantwortung, aktiv dazu beizutragen, indem eigene Prozesse konsequent nachhaltiger gestaltet werden und gleichzeitig Kunden auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit partnerschaftlich begleitet und unterstützt werden.

 

Über Endress+Hauser

Endress+Hauser ist ein global führender Anbieter von Mess- und Automatisierungstechnik für Prozess und Labor. Das Familienunternehmen mit Sitz in Reinach/Schweiz erzielte 2025 mit insgesamt 18.306 Beschäftigten mehr als 4,013 Milliarden Euro Umsatz. Geräte, Lösungen und Dienstleistungen von Endress+Hauser sind in vielen Branchen zu Hause. Die Kunden gewinnen damit wertvolles Wissen aus ihren Anwendungen. So können sie ihre Produkte verbessern, wirtschaftlich arbeiten und zugleich Mensch und Umwelt schützen.

 

Endress+Hauser Group Services AG

Kägenstrasse 2, 4153 Reinach

+41 (0)61 715 7722

info@endress.com

Zum Firmenprofil

Artikel teilen