Kunststoff ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Er begegnet uns in Verpackungen, Elektronik, Fahrzeugen, Haushaltsgeräten oder als Bestandteil zahlreicher chemischer Produkte. Doch gerade am Ende seines Lebenszyklus zeigt sich, wie groß die Herausforderungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft noch immer sind. Während mechanisches Recycling bei sortenreinen Materialien gut funktioniert, stoßen gemischte und verunreinigte Kunststoffabfälle schnell an ihre Grenzen. Besonders Polyolefine, die in großen Mengen eingesetzt werden, lassen sich nur schwer in hochwertige Sekundärrohstoffe zurückführen.
Die Konsequenz: Viele dieser Materialien bleiben nicht im Kreislauf, sondern werden energetisch verwertet oder entsorgt. Doch gerade in diesen Stoffströmen steckt erhebliches Potenzial, wenn es gelingt, sie kontrolliert und effizient wieder nutzbar zu machen. Chemisches Recycling gilt deshalb als vielversprechender Ansatz, um auch schwer verwertbare Kunststoffabfälle in den Kreislauf zurückzuführen. In der Praxis zeigt sich indes, dass zwischen technologischem Anspruch und stabilem industriellem Betrieb eine große Lücke klafft.
Genau an diesem Punkt setzt die Zusammenarbeit der enespa ag und dem Messtechnikspezialisten Endress+Hauser an. Gemeinsam realisieren die Partner sichere, effiziente und nachhaltige Pyrolyseprozesse.
Sensorik als Rückgrat der Prozessstabilität
Die enespa ag mit Sitz in Appenzell entwickelt und betreibt Anlagen für das chemische Recycling von Kunststoffabfällen. Dabei wandelt das Unternehmen gezielt polyolefinhaltige Materialien mittels Pyrolyse in hochwertiges Pyrolyseöl um. Dieses dient in der Petrochemie erneut als Rohstoff für die Herstellung neuer Kunststoffe. So vermeidet enespa unnötige Treibhausgasemissionen, erschließt bislang kaum verwertbare Abfallströme und trägt zur Schließung von Stoffkreisläufen bei.
Der Weg dorthin ist jedoch anspruchsvoll. In der Prozessrealität zeigt sich die eigentliche Herausforderung: Das eingesetzte Rohmaterial ist stark heterogen. Unterschiedliche Polymere, Additive und Verunreinigungen führen zu variierenden Schmelz- und Zersetzungspunkten. „Zusätzlich haben wir bei uns im Prozess teilweise extreme Prozessbedingungen“, sagt Julian Herrmann, Technical Director bei enespa ag.
Hohe Temperaturen von bis zu 400 °C, Druckschwankungen in Leitungen und Behältern sowie wechselnde Aggregatzustände treffen auf ein Ausgangsmaterial, dessen Zusammensetzung sich kontinuierlich verändert. Genau diese Kombination macht die Pyrolyse anspruchsvoll und störanfällig. Bereits geringe Abweichungen können dazu führen, dass Reaktionen nicht wie geplant ablaufen oder das erzeugte Pyrolyseöl die geforderten Spezifikationen nicht erfüllt.
Hinzu kommt: Prozessunterbrechungen haben unmittelbare wirtschaftliche Folgen. Stillstände ziehen aufwendige Reinigungs- und Wiederanfahrprozesse nach sich und beeinträchtigen die Effizienz des gesamten Anlagenbetriebs. Für enespa wurde deshalb schnell klar, dass eine stabile Prozessführung nur mit einer durchgängigen und präzisen Überwachung aller relevanten Parameter möglich ist.