Die Lösung: jeden Partikel wiegen
Mit picoG-lite geht man das Problem von einer anderen Seite an. Es schätzt die Größe nicht, sondern wiegt jeden Partikel einzeln und gibt seine Masse in Pikogramm an (pg, 10-¹² g). Die Masse ist eine fundamentale und intrinsische Eigenschaft des Partikels: unabhängig von Form, Struktur, Brechungsindex und chemischer Zusammensetzung. Im Gegensatz zum Durchmesser ist die Partikelmasse unabhängig vom Messprinzip. Das macht Ergebnisse vergleichbar, über Geräte, Hersteller und Standorte hinweg. Bildlich gesprochen: Eine Briefwaage nennt das Gewicht eines Pakets, egal wie verbeult es ist. Die Lichtstreuung versucht stattdessen, aus dem zurückgestreuten Licht auf die Größe zu schließen.
Wie das Wiegen funktioniert
Das Pulver wird in der Luft dispergiert und vereinzelt. Die einzelnen Partikel werden durch eine Düse auf eine definierte Geschwindigkeit beschleunigt und treffen auf einen dünnen Piezokristall (Bild 2). Dieser ist als Membran ausgeführt und schwingt beim Impakt eines Partikels. Das erzeugte Spannungssignal ist proportional zum übertragenen Impuls. Da die Impaktionsgeschwindigkeit und Geräteparameter bekannt sind, lässt sich aus dem Spannungssignal die Einzelpartikelmasse, die Anzahl- sowie Massenkonzentration bestimmen.
Eine Messung dauert nur wenige Minuten und erfasst bis zu 100.000 Einzelpartikel. Für rCB genügt ein robuster Sensor mit einer Nachweisgrenze von 60 pg (rund 4 µm), der gezielt die problematischen Überkörner erfasst.
Exemplarische Messergebnisse für rCB
Das Ergebnis ist eine anzahlgewichtete Häufigkeitsverteilung der Partikelmasse. Feines und grobes rCB unterscheiden sich darin deutlich: Das feine Material enthält praktisch keine Partikel über 150 pg, das grobe dagegen Partikel schwerer als 2.000 pg (Bild 3). Um eine Vielzahl an Proben zu vergleichen, ist es hilfreich, die Informationen auf eine einzelne Kennzahl zu verdichten. Bewährt hat sich, einen Startwert zu definieren, z.B. die Signalintensität bei 100 pg (~5 µm), und jene Masse zu bestimmen, bei der das Signal auf 50 % oder 10 % dieses Startwerts abgefallen ist. Diese p0.5- oder p0.1-Werte korrelieren gut mit der Pulverfeinheit und können die weniger genauen D97-Werte ersetzen. Da picoG-lite einzelne Partikel zählt, fallen die wenigen Pelletbruchstücke kaum ins Gewicht. Die Wareneingangskontrolle pelletierter Ware wird damit erstmals praktikabel. Das Besondere an diesem Messverfahren ist, dass sich die Produktfeinheit bestimmen lässt, ohne die vollständige Größenverteilung messen zu müssen. Bei rCB dominieren die feinen, rußartigen Partikel mit Massen um 0.01 pg, die sich mit dem PowMaster-System erfassen lassen. Für den Einsatz zur Prozesssteuerung oder Wareneingangskontrolle genügt es, nur den Grobanteil (> 60 pg bzw. 4 µm) zu erfassen. Dieser Fokus aufs Wesentliche macht picoG-lite schon für einen niedrigen fünfstelligen Betrag erschwinglich.