Erkenntnisse einer XXL-Revision bei Solvay
25 Jahre aggressivem Kalkofengas standgehalten – Schraubenverdichter trotzt selbst extremen Anforderungen
Autor: Sebastian Meißler, Marketing, AERZEN
Aus der Schüttgut & Prozess 1/2026
Das Herzstück der Soda-Anlage im Bernburger Solvay-Werk sind die Verdichter. Sie fördern das Kalkofengas in die nachgelagerten Prozesse und halten so die gesamte Produktion am Laufen. Größter Kompressor vor Ort ist der VRO836 von AERZEN. Der ölfreie Schraubenverdichter garantiert maximale Zuverlässigkeit in jedem Prozess. Die jüngste Revision hat bestätigt: Auch nach über einem Vierteljahrhundert im Einsatz präsentiert sich das Aggregat in Bestform. Das Geheimnis der hohen Maschinenverfügbarkeit? Hochwertige Technik und exzellenter Service.
Volumenstrom: ~35.000 m3/h, Antriebsleistung: 2,7 MW, Gewicht: 29 t: Der VRO836 von AERZEN ist ein echter Gigant. Beachtlich ist auch seine Lebensdauer: Seit mehr als 25 Jahren ist der ölfreie Prozessgasverdichter (übrigens einer der größten der Welt) im Bernburger Soda-Werk von Solvay im Einsatz und liefert jeden Tag Spitzenleistungen. Eine Revision des XXLAggregatsist erst nach fünf Jahren Betriebszeit erforderlich und wird im Rahmen eines turnusgemäßen Wartungsintervalls durchgeführt. Das Ergebnis der jüngsten Generalüberholung, welche durch Aerzener Servicepersonal vor Ort beim Kunden vorgenommen wurde: Die Maschine ist in einem Top-Zustand. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn der VRO836 wird zum pneumatischen Transport von Kalkofengas eingesetzt. Dieses ist in Bernburg hochgradig korrosiv – eine große Herausforderung für die Materialien und Bauteile.
Soda-Standort mit 140-jähriger Geschichte
Das Werk in Bernburg (Saale) ist einer der ältesten Standorte der Solvay-Gruppe. Bereits 1883 wurde dort die Soda-Produktion aufgenommen. Heute stellt der Konzern in Sachsen-Anhalt Soda, Natriumbicarbonat und Wasserstoffperoxid her und ist bei diesen Produkten Weltmarktführer. Die Stoffe sind für viele Bereiche des täglichen Lebens unverzichtbar. Sie werden zur Herstellung von Glas, Lebensmitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln verwendet und spielen auch bei der Metallverarbeitung sowie in der Pharmazie, der Elektro- und Computerchip-Industrie und im Umweltschutz eine wichtige Rolle.
Soda ist ursprünglich ein Naturprodukt, das durch Verdunstung am Rande von Salzseen entstanden ist und in der Regel bergmännisch abgebaut wurde und wird. Ernest Solvay, einer der beiden Gründer des Solvay-Konzerns, gelang 1861 die Entwicklung eines Verfahrens, mit dem Soda preiswert im industriellen Maßstab hergestellt werden konnte. Bis heute wird synthetisches Soda weltweit mit dem Solvay-Verfahren (auch bekannt als Ammoniak-Soda-Verfahren) hergestellt.
Im Brenner entstehen Branntkalk und Kalkofengas
Die Ausgangsstoffe zur Soda-Herstellung sind Salz, Kalkstein und Anthrazit oder Koks sowie Ammoniak, das als Hilfsstoff eingesetzt wird. Der Kalkstein (Calciumcarbonat, CaCO3), der im Bernburger Werk verarbeitet wird, stammt aus einem nahegelegenen Tagebau und wird über eine eigene Werksbahn aus dem Abbaugebiet zum Werksgelände transportiert. In den Kalköfen wird das Gestein in Branntkalk (Calciumoxid, CaO) und Kalkofengas, ein Gasgemisch mit hohem Kohlendioxidgehalt (CO2), zersetzt. Das Kalkofengas ist zwar nur ein Nebenprodukt des Brennprozesses, aber für die nachgelagerten Prozesse von essenzieller Bedeutung.
Pneumatischer Transport von Kalkofengas
„Wir benötigen das Kalkofengas in einer Vielzahl an Anwendungen als Prozessgas. Steht es nicht zur richtigen Zeit in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung, kommt die gesamte Soda-Produktion zum Erliegen. Es ist daher sehr wichtig, dass die Verdichter, die wir für den pneumatischen Transport des Kalkofengases einsetzen, eine hohe Verfügbarkeit erreichen“, so Andreas Boinski, Leiter Technik bei der Solvay GmbH in Bernburg. Sabine Zepperitz-Thews, Leiterin Technisches Büro, fügt hinzu: „Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren eng und vertrauensvoll mit AERZEN zusammen. An diesem Unternehmen führt für uns kein Weg vorbei, wenn es um große Volumenströme geht. Die Maschinen sind robust, langlebig und absolut zuverlässig. Das sichert unsere Produktion.“
Robuste Technik, zuverlässiger Betrieb
Die VRO-Baureihe (heute unter dem Namen VRA bekannt), die in Bernburg eingesetzt wird, ist speziell für die besonderen Anforderungen der Prozessgasverdichtung konzipiert und zertifiziert für Anlagen der Chemie, Petrochemie sowie viele andere Bereiche der Verfahrenstechnik. Die Maschinen verdichten und fördern praktisch alle im industriellen Bereich vorkommenden Gase und sind extrem verlässlich sowie effizient im Betrieb. Oft laufen sie über Jahrzehnte fehlerfrei bei minimalem Wartungsaufwand. Für Anwender bedeutet das: maximale Prozesssicherheit sowie reduzierte Investitions- und Betriebskosten.
Ölfreie Verdichtung für 100%ige Produktreinheit
VRO- bzw. VRA-Verdichter sind weitgehend unempfindlich gegen Verschmutzung sowie Polymerisation und ermöglichen besonders hohe Druckbelastungen und Rotordrehzahlen. Innerhalb der Verdichtungsräume findet keine metallische Berührung statt – weder zwischen den beiden Rotoren noch zwischen Rotoren und dem Gehäuse. Damit ist eine absolut ölfreie Arbeitsweise gewährleistet, denn die Förderräume und somit das Fördermedium – im konkreten Anwendungsfall das Kalkofengas – bleiben 100%ig rein. Bei Solvay sorgt zudem eine Labyrinthdichtung dafür, dass die Verdichter in sich gasdicht sind. Die Lager erreichen eine Lebensdauer von bis zu 80.000 Betriebsstunden.
Revision der Superlative
Doch auch die beste Technik braucht ab und an mal einen Check-up. Aufgrund seiner enormen Größe und seines immensen Gewichts wurde der VRO836 in Bernburg direkt vor Ort auf seiner Position revidiert. Die Generalüberholung haben die erfahrenen Servicetechniker von AERZEN übernommen. Die Fachkräfte kennen den Verdichter in- und auswendig und sind darauf spezialisiert, die Maschine innerhalb kürzester Zeit wieder an den Start zu bringen. „Eine Revision ist immer eine Art Wundertüte: Man weiß nie, was einen erwartet, wenn das Innere der Maschine offengelegt wird. Mit AERZEN haben wir die Expertise direkt vor Ort. Sollten Probleme auftreten, können sie schnell behoben werden. Außerdem können wir uns gegenseitig austauschen und voneinander lernen. Das ist großartig – auch für unsere jungen Kollegen“, so Thomas Bäuml, Leiter der Hauptwerkstatt in Bernburg.
Zerlegt in alle Einzelzeile
Die Anlage wurde komplett demontiert und in ihre Einzelteile zerlegt. Alles wurde begutachtet, gereinigt und wenn notwendig repariert bzw. ausgetauscht. Dabei wurden ausschließlich AERZEN Original-Ersatzteile verwendet. Diese sind speziell für die AERZENKompressoren und Gebläse konstruiert und verfügen über die optimale Kompatibilität. Das ermöglicht die volle Funktionalität für einen reibungslosen Betrieb und eine lange Maschinenlebensdauer. In der Regel sind Reparatur- und Verschleißteile für alle Standardprodukte ab Lager verfügbar. Ein dichtes Netz aus Servicestützpunkten und dezentralen Teilelagern stellt kurze Wege und schnelle Reaktionszeiten sicher. Auch alle Ventile und Messmittel wurden getestet und neu kalibriert. Anschließend wurde die Maschine wieder komplett zusammengebaut und in Betrieb genommen.
Der Zustand des Verdichters beeindruckt
Das Kalkofengas im Bernburger Soda-Werk ist äußerst korrosiv und bringt viele Werkstoffe an ihre Grenzen. Der AERZEN Schraubenverdichter zeigte sich von diesen Widrigkeiten unbeeindruckt und präsentierte sich in Top-Form: kaum Verschleiß, keine Leckagen, keine Lagerschäden, bestes Schwingungsverhalten, volle Funktionsfähigkeit. „Der Zustand des Kompressors war hervorragend. Das ist wirklich bemerkenswert. Wir sind begeistert“, bringt es Thomas Bäuml auf den Punkt.
Doch wie konnte der VRO836 den aggressiven Bedingungen über all die Jahre so gut standhalten? Hervorzuheben sind an dieser Stelle die robuste Konstruktion, die innovative Technologie, die widerstandsfähige Oberflächenbeschichtung (Chemical Coating) und der Einsatz einer besonderen Materialpaarung von Rotor und Gehäuse. Auch die regelmäßigen Wartungen und Services von AERZEN haben ihren Teil beigetragen. Apropos Services: Die Leistungen umfassen Angebote für jede Lebensphase und werden exakt auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten. Das Ergebnis: höchstmögliche Maschinenverfügbarkeit und optimale Kosteneffizienz.
Vertrauensvolle Zusammenarbeit
„Wir streben eine hohe Verfügbarkeit unserer Anlagen an. Daher legen wir Wert darauf, dass nach der Revision ein „quasi“ Neu-Zustand entsteht“, macht Andreas Boinski deutlich und betont: „AERZEN ist ein exzellenter Service-Partner. Die Revision wurde kompetent und effizient durchgeführt, sodass der Verdichter sehr schnell wieder einsatzbereit war. Die erfahrenen Techniker kennen sich nicht nur mit ihren Maschinen hervorragend aus, sondern sind auch mit den Gegebenheiten bei uns vor Ort und unseren Prozessen bestens vertraut. Das ist uns sehr wichtig und macht die Zusammenarbeit einfach.“
Übrigens: Der VRO836 ist nicht der einzige AERZEN-Verdichter bei Solvay. Die gesamte Unternehmensgruppe vertraut auf die zuverlässige Technik aus AERZEN.
Übe Aerzener Maschinenfabrik GmbH
Weltweit werden industrielle Anlagen unter Einsatz von AERZEN-Gebläsen und -Verdichtern mit gasförmigen Medien versorgt. In der innovativen AERZENMaschinentechnik stecken Erfahrungswerte aus 160 Jahren Firmengeschichte.Das AERZEN-Produktportfolio umfasst Drehkolbenverdichter, Drehkolbengebläse, Turbogebläse und Schraubenverdichter und hält neben Standarderzeugnissen auch kundenindividuelle Sonderlösungen bereit. Mittels digitaler Services können die Effizienz, die Verfügbarkeit sowie die Produktivität nachhaltig und zukunftsorientiert gesteigert werden. Zusätzlich bietet der AERZEN After Sales Service die ganze Bandbreite an Service-Dienstleistungen an – vom Vollwartungsvertrag bis zu Reparaturen und Modernisierungen bestehender Anlagen.
