Neue Wege im Ex-Gehäusebau
Passgenauer Schutz durch Ex-Schalter und Taster
Aus der Schüttgut & Prozess 6/2025
Sie sind klein und unscheinbar, aber ohne sie geht oft gar nichts: Die Rede ist von Schaltern und Tastern an Industriegehäusen. Alle 100 bis 150 km befinden sich im deutschen Gasnetz Kompressorstationen, die für einen konstanten Netzdruck sorgen. In der Regel arbeiten diese Stationen ohne Personal: Sollte es zu einer Störung kommen, gehen die Anlagen automatisch in einen sicheren Zustand. Die Wiederinbetriebnahme der Anlage ist nur durch fachkundiges Personal vor Ort möglich. Für diesen Zweck sind die Verdichterstationen mit einer sogenannten Vor-Ort-Steuerstelle (Control Station) ausgestattet: Sie verfügt über Schalter und Taster, mit denen die Anlage manuell gefahren werden kann.
Sowohl das Gehäuse der Steuerstelle als auch die Taster und Schalter müssen ATEX- bzw. IECEx- zertifiziert sein, da sich in Kompressorstationen jederzeit eine explosionsfähige Atmosphäre bilden kann. Die ROSE Systemtechnik GmbH aus Porta Westfalica fertigt seit über 50 Jahren Ex-Gehäuselösungen für diese und andere Anwendungen. In der Vergangenheit hat das Unternehmen die Taster und Schalter seiner Ex-geschützten Gehäuselösungen und Control Stations von externen Zulieferern bezogen.
Eigene Produktion
Das Unternehmen wird einen Teil der explosionsgeschützten Wahlschalter, Druckknöpfe, Anzeigelampen und Not-Aus-Schalter für seine Gehäusesysteme künftig selbst fertigen. Die Eigenproduktion ermöglicht es, größere Bestände anzulegen und so flexibel auf umfangreichere oder kurzfristige Bestellungen zu reagieren. „Wir können dann schon bei der Anfrage eines Kunden sehen, ob wir die erforderlichen Stückzahlen auf Lager haben und bei Bedarf frühzeitig die Produktion bei uns im Haus anstoßen“, so Schönfeld. Verzögerungen bei der Bereitstellung der Taster und Schalter sind damit quasi ausgeschlossen. Eine Fertigung der Komponenten im eigenen Haus hat aber noch weitere Vorteile: man kann dadurch deutlich flexibler als bisher auf Kundenwünsche eingehen und die Bauelemente relativ schnell anwendungsspezifisch anpassen. Projektmanager Schönfeld gibt ein anschauliches Beispiel: „Ein Kunde hat uns gefragt, ob wir für unsere Not-Aus-Taster einen Schutzkragen entwickeln können, der vor unbeabsichtigtem Auslösen schützt. Das lässt sich mit der Eigenfertigung in Zukunft ganz leicht umsetzen. Früher hätte das wesentlich länger gedauert.“
Selbstgefertigte Komponenten sind deutlich kompakter
Die Produktion der Taster und Schalter in Eigenregie ermöglicht es auch, direkten Einfluss auf das Design der Taster und Schalter zu nehmen. „Wir haben uns genau angesehen, was uns an den auf dem Markt erhältlichen Produkten stört und was aus unserer Sicht an der Gestaltung geändert werden müsste, um für unsere Kunden einen Mehrwert zu generieren“, so Schönfeld. Ein kompakteres Design der Taster und Schalter war eines der Ziele der Eigenfertigung. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, die selbstgefertigten Taster haben nur noch rund ein Drittel des Volumens der bisher zugekauften Teile. Da die Komponenten jetzt wesentlich kleiner sind, können auch die Gehäuse kompakter dimensioniert werden – Konstrukteure sparen so wertvollen Bauraum in ihrer Anwendung.
Kleine Änderung – große Wirkung
ROSE geht bei der Gestaltung der eigenen Taster und Schalter teilweise andere Wege, um dem Markt Innovationen zu bieten. Die neuen Wahlschalter sind in der Variante als Drehschalter serienmäßig so ausgeführt, dass sie mit einem externen Schloss gesichert werden können. Solche Schalter sind im Markt nicht in der Serie verfügbar, sondern nur als optionale Variante. Die Sicherung des Drehschalters mit einem Schloss ist beispielsweise in Wartungssituationen relevant. Dort besteht die Gefahr, dass ein Unbeteiligter die vom Netz getrennte Anlage versehentlich wieder einschaltet. An den Wahlschaltern wurde nur eine kleine Änderung vorgenommen. Diese Änderung macht jedoch einen großen Unterschied.
Weltweite Tests unter extremen Bedingungen
ROSE besitzt bereits die nötigen Zulassungen für die selbst gefertigten Ex-Taster und -Schalter, darunter die ATEX-Produktrichtlinie 2014/34/EU, IECE Ex und IP-Schutzart-Tests. Alle Komponenten sind für den Einsatz in den Zonen 1 und 2 (Gas) sowie 21 und 22 (Staub) zertifiziert (gemäß ATEX-Betriebsrichtlinie 1999/92/EG). Für den indischen und den chinesischen Markt laufen die Zulassungsverfahren noch (PESO/CCC), ebenso wie die Zertifizierung für Offshore-Anwendungen (DNV/Lloyd‘s Register).
Zurzeit führt das Unternehmen mit den selbst entwickelten Tastern und Schaltern umfangreiche Tests rund um den Globus durch. Diese Tests dienen dazu, die Produkte optimal auf die harten Anforderungen in der Praxis abzustimmen. Mit den Testprojekten werden alle denkbaren Umgebungsbedingungen abgedeckt. Die Taster und Schalter sind sowohl sehr hohen Temperaturen als auch zweistelligen Minusgraden ausgesetzt. Sie kommen im Offshore-Bereich ebenso zum Einsatz wie in der Wüste, in Wasserstoff-Anwendungen und in der petrochemischen Industrie. Die Tests erfolgen in Zusammenarbeit mit langjährigen Kunden, die für ROSE auch Dokumentationsaufgaben übernehmen. So wird sichergestellt, dass die Produkte den höchsten Ansprüchen gerecht werden.
Markteinführung 2026
ROSE wird die neuen Ex-Taster und -Schalter nach und nach am Markt einführen. Das Interesse an den Komponenten aus Eigenfertigung ist schon jetzt groß. „Viele Kunden haben von unserer geplanten Sortimentserweiterung erfahren und fragen, ob es die Produkte schon gibt“, berichtet Sven Schönfeld. Im Laufe des Jahres 2026 sollen die ersten Modelle erhältlich sein.
Über ROSE Systemtechnik
Die ROSE Systemtechnik GmbH wurde 1969 in Porta Westfalica gegründet und gehört mit über 365 Mitarbeitenden allein in Deutschland zu den weltweit führenden innovativen Anbietern der industriellen Gehäuse-Systemtechnik. International beschäftigt das Unternehmen für die Gehäusesparte sogar 2.190 Angestellte. Im Verbund der Phoenix Mecano AG (Schweiz) mit rund 8.150 Mitarbeitenden entwickelt und produziert ROSE Systemtechnik hochqualitative Industriegehäuse und Systemlösungen für die Bereiche Maschinen- und Anlagenbau, Automatisierungstechnik, explosionsgefährdete Bereiche, MSR-Technik sowie die Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Die Standard-Industriegehäuse werden aus Aluminium, Edelstahl und Kunststoffen gefertigt. Ergänzend hat sich das Unternehmen auf Bedien- und Anzeigengehäuse für HMI-Anwendungen spezialisiert. Zu diesem Produktportfolio gehören Panel-PCs, Industrie-Monitore, Embedded-PCs, mobile HMI-Lösungen und Tragarmsysteme. Darüber hinaus bilden Ex-geschützte Verteilergehäuse und Control Stations für die Petrochemie und die chemische Industrie (On- und Offshore) bei ROSE Systemtechnik die dritte Produktsparte.
Kontakt
- ROSE Systemtechnik GmbH
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Erbeweg 13–15
32457 Porta Westfalica
Deutschland - +49 (0)571 50410
- rose@rose-pw.de
- www.rose-systemtechnik.de
